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Der vorliegende Beitrag untersucht den Zusammenhang zwischen sozialer Teilhabe und Raumordnung im Film "Tori et Lokita" (2022) von Jean-Pierre und Luc Dardenne. Der Film erzählt von den Bemühungen der beiden Titelfiguren, der 16-jährigen Lokita eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in Belgien zu beschaffen. Anhand eines Close Readings der Eingangssequenz, in der Lokita mit einer Mitarbeiterin der Asylbehörde ein Interview führt, das über ihren Aufenthaltsstatus entscheiden soll, wird gezeigt, wie räumliche und narrative Struktur ineinandergreifen, um diese Teilhabebemühungen der Protagonistin als vergeblich zu inszenieren. Der anonymisierte Raum fungiert als Schwelle, auf der über In- und Exklusion, über Objekt- und Subjektstatus der Geflüchteten entschieden wird. Gleichzeitig ist die Eingangssequenz eine dem Plot vorgelagerte, paratextuelle Schwelle und damit die Ur-Szene des tragischen Verlaufs, der nicht zufällig an die drei Teile und den Spannungsverlauf einer antiken Tragödie erinnert. Die beiden Regisseure liefern einen engagierten Kommentar zur aktuellen europäischen Flüchtlingspolitik, indem sie aufzeigen, dass mit der Ankunft im Zielland die lebensbedrohliche Flucht keineswegs zu Ende ist, sondern lediglich in ein weiteres Stadium mündet.
Der Artikel analysiert die Erzähl- und Legitimationszwänge von Flucht im Kontext des europäischen Asylregimes und verknüpft filmische mit migrations- und sozialpädagogischen Perspektiven. Am Beispiel des belgischen Films "Tori und Lokita" (2022) werden zwei zentrale Szenen rekonstruiert, die die institutionellen Anforderungen an Fluchtnarrative sowie die ambivalenten Möglichkeiten von Agency und Widerstand verdeutlichen. Ergänzt wird die filmanalytische Betrachtung durch ethnografische Einblicke in die sozialpädagogische Asylberatung, wobei die Rolle menschlicher und nicht-menschlicher Akteur*innen im Netzwerk des Asylregimes herausgearbeitet wird. Der Beitrag zeigt, dass Fluchtgeschichten nicht nur individuell erzählt, sondern durch institutionelle Praktiken strukturell geformt und normiert werden. Gleichzeitig eröffnen sich Handlungsspielräume für widerständige Praktiken – sowohl für Geflüchtete als auch für Fachkräfte. Dies verweist auf die Bedeutung einer kritischen Reflexion von Machtverhältnissen und deren Beitrag zur Herstellung anerkannter Erzählweisen von Flucht.
Der Beitrag untersucht, wie in Beziehungen des freiwilligen Engagements Zugehörigkeit als Familie erzählt wird. Unter der analytischen Perspektive der Agency werden auf Grundlage episodischer Interviews und unter Anwendung der Grounded Theory als Familie erzählte Beziehungen aus der Perspektive der geflüchteten Adressat*innen rekonstruiert und Prozesse der Zugehörigkeitsherstellungen sichtbar gemacht. Die Ergebnisse zeigen, dass als Familie konstruierte Zugehörigkeit als exklusiv und kollektiv erzählt und durch Alltagsroutinen, symbolische Handlungen, praktische Unterstützung und besondere Ereignisse hergestellt wird. Die Interviewten gestalten Zugehörigkeit aktiv mit, indem sie allgemeine Ordnungen anerkennen, und rahmen die Beziehungen (trotz struktureller Prekarität) als robust. Der Beitrag lässt geflüchtete Akteur*innen als Mitgestalter*innen von Beziehungen im Kontext von freiwilligem Engagement zu Wort kommen und eröffnet neue Perspektiven auf Zugehörigkeit und Doing Family.
In diesem Beitrag wird freiwilliges Engagement im Kontext von Flucht:Migration mit Blick auf das aus der Sozialen Arbeit bekannte Spannungsfeld von Nähe und Distanz diskutiert. Es werden erste Ergebnisse einer rekonstruktiven, interviewbasierten Studie vorgestellt und die Perspektiven der Engagierten innerhalb dieses Spannungsverhältnisses beleuchtet. Die Analyse im methodologischen Verständnis der Grounded Theory zeigt, dass die Engagierten die emotionale Nähe und Distanz ambivalent erleben: Nähe kann als beziehungsstiftend und gefährlich, Distanz als schützend und enttäuschend gedeutet werden. Im Beitrag werden drei zentrale Handlungsmuster im Umgang mit Nähe und Distanz identifiziert – Neuausrichten der Beziehung bei enttäuschender Distanz, selektives Zulassen von (als gefährlich gerahmter) Nähe sowie Ringen um Kommunizierbarkeit von wahrgenommener Grenzüberschreitung – und die Ergebnisse machtkritisch und mit Bezug auf die Soziale Arbeit eingebettet.
In: A. Böker, A. Korntheuer, J. Bucher, & S. Thomas (Hg.): Dimensionen einer vielfältigen Fluchtforschung: Diversität, Intersektionalität und heterogene Ankunftskontexte. Weinheim: Beltz Juventa, 36-49.
Zeitschrift für Pädagogik, 70(1), 100-118.
Gemeinsam mit Bastian, P. / Friedrich, J. / Gericke, E. / Hopmann, B. / Köhler, S. & Köpfer, A. herausgegebener Sammelband: (2025): Crossing Boundaries: Methodische und methodologische Reflexionen zur (eigenen) Praxis der Inklusionsforschung. Leverkusen: Opladen, Berlin & Toronto: Barbara Budrich Verlag.
In: Birgmeier, B. / Mührel, E. & Winkler, M. (Hg.) (2024): Weitere Sozialpädagogische SeitenSprünge. Rückblicke und Perspektiven. Weinheim Basel: Beltz Juventa, 11-17.
In: Kepetzis, E. & Männig, M. (Hg.) (2024): Populäre Bildkulturen der Vormoderne: Prozesse der Produktion, Distribution und Rezeption. Berlin / Boston: De Gruyter, 1-36.
In: Kratz, M. & Finger-Trescher, U. (Hg.) (2024): Szenisches Verstehen in der Pädagogik. Grundlagen – Potentiale – Reflexionen. Jahrbuch für Psychoanalytische Pädagogik (Bd. 30). Gießen: Psychosozial-Verlag, 119-140.
Special Issue in Lendemains, erscheint unter der Nummer 189.
In: Korangy, A. (Hg.) (2024): The Handbook of Cultural Linguistics. Singapore: Springer, 109-134 [Springer Handbooks in Languages and Linguistics].
Tertium Comparationis, 30(1), 57-76.
In: Bender, S. & Thiessen, B. (Hg.): Beratung in pädagogischen Kontexten. Perspektivierungen und Differenzierungen. Beiträge zur Beratungswissenschaft. Weinheim: Beltz Verlag.
Europen Journal of Politics and Gender, 1-18.
Zeitschrift für Sozialreform, 70(2), 173-197.
Deutsche Rentenversicherung, 2, 138-156.
Gemeinsam mit Georg Auernheimer verfasster Aufsatz in: Martin K. W. Schweer (Hg.) (2025): Lehrer-Schüler-Interaktion. Inhaltsfelder, Forschungsperspektiven und methodische Zugänge. 4., überarbeitete und aktualisierte Auflage. Wiesbaden: Springer VS, S. 423–438.
In: Kupfer, A. et al. (Hg.) (2025): Handbuch der Beratung. Tübingen: dgvt.
Gemeinsam mit Stephan Dahmen verfasster Aufsatz in: WIDERSPRÜCHE. Zeitschrift für sozialistische Politik im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich, 45(176), 39–54.
Gemeinsam mit Sara Fürstenau verfasster Aufsatz in: Deutsch 5-10 (81), S. 64-65.
Gemeinsam mit Andreas Köpfer verfasster Aufsatz in: Rosen, L. et al. (Hg.): Crossing Boundaries. Methodische und methodologische Reflexionen zur (eigenen) Praxis der Inklusionsforschung. Opladen, Berlin & Toronto: Barbara Budrich, S. 191-205.
Kepetzis, E. & Männig, M. (Hg.) (2024): Populäre Bildkulturen der Vormoderne: Prozesse der Produktion, Distribution und Rezeption. Berlin / Boston: De Gruyter, 303-342
Möller, J. & Krysmanski, B. (Hg.) (2024): Creative Reception: John Locke’s Impact on Literature and Pictorial Art. Dinslaken: Krysman Press, S. 36-70.
Bender, S. & Thiessen, B. (Hg.): Beratung in pädagogischen Kontexten. Perspektivierungen und Differenzierungen. Beiträge zur Beratungswissenschaft. Weinheim: Beltz Verlag, im Druck.
Die Auseinandersetzung mit Ausdrucksformen von Popularität steht seit einigen Jahren vermehrt im Fokus der kulturwissenschaftlichen Forschung. Ausgehend von der Gegenwärtigkeit und Ubiquität der Populärkultur – gemeinhin als Proprium der Modernität verstanden und gedacht – fragt der vorliegende Sammelband erstmals grundsätzlich nach der Applizierbarkeit der Kategorie „populär“ auf die Epochen Mittelalter und Frühe Neuzeit. Die zeitgenössische Theoriebildung zur Popkultur bildet den Ausgangspunkt für die versammelten Beiträge, in interdisziplinärer Perspektive sowohl auf übergreifend theoretisch-methodischer Ebene als auch in Form von Fallstudien Popularisierungsprozesse zu beleuchten. Im Zentrum stehen dabei insbesondere visuelle Artefakte und Phänomene, die hinsichtlich ihrer Distribution, Reproduktion, Variation und Serialisierung thematisiert werden. Angerissen werden Aspekte der Politisierung des Populären, seiner normierenden Wirkmacht sowie seines anarchischen Potenzials. Hervorgegangen aus einer Tagung an der Universität Koblenz-Landau, enthält der Band Beiträge u. a. von: Dietrich Boschung, Mariam Hammami, Julian Jachmann, Michaela Ott, Stephan Packard, Johannes Tripps, Susanne Wittekind und .
Textes et contextes, 19(1)
Special Issue in Lendemains, erscheint unter der Nummer 189 (im Druck)
Tertium Comparationis, 30(1), 77-94
Textes&Contextes, 19(1)

